Ein ganzes Dorf

Dank Hillary Clinton wurde das afrikanische Sprichwort in breiten Kreisen bekannt: "It takes a whole village to raise a child" (um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf). Richtig! Kinder gehen uns alle an, denn Kinder bilden die Zukunft unserer Gesellschaft. Darum ist Kinder haben und aufziehen mehr als ein Familienprojekt: Die Familie muss als Institution, aber auch ganz konkret im Alltag von der Gemeinschaft getragen werden. Und Kinder brauchen neben den Eltern andere Kinder und den gesellschaftlichen Bezugsrahmen, um soziale Fertigkeiten zu erlernen und testen, um anhand von Vorbildern selber zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft zu werden.

Man kann es beklagen oder einfach als Fact hinnehmen: Heute ist es der Normalfall, dass beide Eltern erwerbstätig sind – meist reicht ein Einkommen nicht. Darum sind Tageschulen eine zeitgemässe Form, um Familien zu entlasten und Kindern eine Gemeinschaft zu bieten. Daneben braucht es weitere steuerliche Entlastungen und bezahlbare Wohnungen für grössere Familien.

Tagesschulen sind ein zentrales Element einer wirkungsvollen Familienpolitik. Als Vorgesetzte erlebe ich seit Jahren, wie wichtig die sichergestellte Betreuungssituation in den Familien ist. Wenn diese nicht stimmt, sind Probleme am Arbeitsplatz vorprogrammiert. Investitionen in Bildung und Betreuung sind die Investitionen in die Zukunft. Wer die Solidarität mit den Familien vernachlässigt, betrügt die Jugend um ihre Zukunft. Das rächt sich und führt zu Sackgassen.

Ja, Familienpolitik kann nur von einem ganzen Dorf, von uns allen gemacht werden! Dass in der Politik diese drei Perspektiven – Kind, Familie und Gemeinschaft – nicht vergessen gehen, dafür setze ich mich ein.

Liestal, Sommer 2011,
Regula Nebiker