Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

von Regula Nebiker

Mein liebstes Dokument im Staatsarchiv ist das erste Regierungsratsprotokoll des jungen Kantons Baselland. Das Protokoll gibt einen unmittelbaren Zugang zu den Gründervätern unseres Kantons. Man spürt die schwierigen Umstände und die Improvisationskunst der ersten Zeit, aber auch eine grosse Sorgfalt und Ernsthaftigkeit.

Erst nach ein paar Wochen wurde ordentlich Protokoll geführt in einem Schreibbuch. Sicher hat es nicht viel gekostet. Es ist etwas schäbig eingefasst in einen bräunlichen Schutzumschlag aus Sackleinen und beginnt am 24. Juli 1832 ganz unpathetisch mit einem knapp und trocken verfassten Traktandum: mit der Legitimierung eines Kindes aus Pfeffingen.

Mit diesem ersten protokollierten Regierungsratsbeschluss übernimmt der neu gegründete Kanton die Verantwortung für die überhaupt wichtigste Aufgabe eines Staatswesens: Heimat, Schutz und Zugehörigkeit für seine Bevölkerung. Nur wer einen Heimatort nachweisen konnte, hatte auch eine Zuflucht.

Ohne die Legitimierung und damit Anerkennung als Bürger wäre dieses Kind ein „Sans-Papiers“ geblieben. Das war von existenzieller Bedeutung. Im 19. Jahrhundert wurden Heimatlose in „Betteljagden“ auf grausame Art verfolgt. Wen wundert es da noch, dass der kleine Josef Währi ausgerechnet an einem 24. Dezember zur Welt gekommen ist ...

Liestal,
24. Dezember 2014,
Regula Nebiker

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