Das Amt des Gemeinderats – nur noch Bürde ohne Würde? Im Gemeinderat: Dorfkönig oder "arme Siech"?

In kaum einem anderen Land als der Schweiz engagieren sich so viele Bürgerinnen und Bürger freiwillig für ihre Gemeinde. Trotzdem wird es zunehmend schwierig, die rund 15'000 Sitze in der Gemeindeexekutive zu besetzen. Der Aufwand ist für viele zu gross – und die Entschädigung zu klein.

Regula Nebiker ist Staatsarchivarin des Kantons Baselland, SP-Stadträtin in Liestal und Mutter zweier Töchter. Die dreifache Belastung durch Beruf, Politik und Familie sei eine Gratwanderung, aber eine grosse Bereicherung. Sie erzählt Rahel Walser, worauf sie zu Gunsten der Politik verzichtet und wie sie das Milizsystem erlebt.

Autor/in: Sabine Bitter; Moderation: Hansjörg Schultz; Redaktion: Christoph Keller

Beitrag mit Regula Nebiker von Rahel Walser: Politik statt Hausarbeit, Politik als Lebensinhalt

Aus dem Milizsystem auszusteigen ist für Regula Nebiker keine Option. Sie ist Staatsarchivarin des Kantons Baselland, Stadträtin von Liestal und Mutter zweier Töchter. "Ich bin ein urpolitischer Mensch. Es ist eine Grundüberzeugung von mir, dass man sich über den eigenen Haushalt hinaus engagieren soll".

Dafür nimmt Regula Nebiker in Kauf, dass die eigene Stube nicht immer aufgeräumt ist: "Ich habe alles andere als einen Vorzeigehaushalt". Aber irgendwo müsse man Abstriche machen.

Regula Nebiker arbeitet 80 Prozent im Staatsarchiv. Als Stadträtin investiert sie etwa 10 bis 15 Stunden die Woche, dazu kommt das Engagement in der kantonalen Partei mit etwa vier Sitzungen die Woche. "Ich würde gerne mehr soziale Kontakte pflegen oder auch mal selber Konfitüre machen, aber das geht eben nicht", sagt sei. Der Verzicht auf das Häusliche fällt der Bauerntochter, die mit fünf Schwestern auf einem Hof aufgewachsen ist, nicht nur leicht. Doch die Leidenschaft für die Politik ist stärker: "Ich liebe das Gefühl von Mitverantwortung und Verbundenheit".

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