Prix de Promenade für Meilensteine der Frauenbewegung?

Aus Anlass der Eröffnung der Julia Gauss-Weg in Liestal am 26.08.2016

Mit der Verleihung des Prix Promenade an den Kanton Baselland wird der Julia Gauss-Weg feierlich eröffnet. Der Prix Promenade soll Meilensteine in der Frauenbewegung markieren und in Erinnerung rufen. Das finde ich grundsätzlich eine sehr gute Idee.

Mir fällt aber gerade in Liestal auf, dass oft Frauen gewählt werden, deren Männer oder männliche Vorfahren bekannter sind als sie selber und deren Verhältnis zu Liestal nicht wirklich eng und nicht immer unbelastet war. Das ist zum Beispiel auch beim Emma Herwegh-Platz der Fall.

Warum ehrt man denn in Liestal nicht einfach die erste Stadtpräsidentin dieser Stadt? Regula Gysin war von 2004 bis 2012 Stadtpräsidentin. Ihr weiblicher Name steht als erster in einer jahrhundertealten Reihe von Männernamen. Das ist tatsächlich ein Meilenstein in der Stadtgeschichte.

Wie ihre männlichen Amtsvorgänger hat Regula Gysin sich für die Stadt Liestal verdient gemacht und dies mit einer so grossen Selbstverständlichkeit, dass uns Zeitgenossinnen kaum bewusst war, was für eine Schwelle hier eigentlich erreicht worden ist.

Mir ist kein Gesetz bekannt, wonach Personen erst posthum geehrt werden dürfen, schliesslich gibt es ja bereits einige Roger Federer-Strassen in der Schweiz. Verdienst ist Verdienst und soll gewürdigt werden.

Vielleicht gibt sich dazu ja noch eine andere Gelegenheit und das dürfte dann durchaus auch an einer prominenteren Stelle im Stadtbild sein.

Liestal, 10. September 2016,
Regula Nebiker

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