Eröffnungsrede am Jugendforum Baselland 2017

Landratssaal, Liestal

Liebe junge Frauen und Männer!

Ich begrüsse Sie – im Namen des Stadtrats von Liestal – ganz herzlich zum Jugendforum 2017. Ich habe die Einladung von Abeelan Rasadurai zu dieser Begrüssung sehr gerne angenommen, da ich solche Veranstaltungen wie diese sehr wichtig finde. Sie sind der Nährboden unseren politischen Systems.

Es ist erwiesen, dass junge Leute, die sich bereits früh mit gesellschaftlichen und politischen Fragen auseinandersetzen, auch später politisch aktiv bleiben. Das war bereits bei meiner Elterngeneration so, es war nicht anders in meiner Generation und es wird bei Euch genauso sein.

Ich freue mich über die vielen jungen Stimmen, die sich zu Wort melden, in den Medien, aber auch in den politischen Organen. In Liestal haben wir in allen politischen Parteien einen tollen Nachwuchs an jungen Leuten, die sich einbringen. Sie wissen sich zum Beispiel im Einwohnerrat durchaus Gehör zu verschaffen.

Ich bin zuständig für das Departement Sicherheit und Soziales in Liestal. In meinem Departement geht es um das Zusammenleben schlechthin. Es geht um Menschen in allen Lebenslagen und natürlich geht es auch um ziemlich viel Geld. Dieses Geld wird aber nicht in Beton und Strassen investiert, sondern in Menschen.

Wir arbeiten mit den lokalen Auswirkungen der globalen Themen, die Sie heute diskutieren werden. Ich beschränke mich auf folgende Beispiele:

  • Es gibt Menschen, die keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt haben – man nennt sie auch Globalisierungsverlierer. Diese Bezeichnung ist ungerecht und falsch. Sie sollen Alternativen finden und den Lebensmut nicht verlieren.
  • Wir kennen Jugendliche aus armen Verhältnissen, die unterstützt werden müssen, damit sie bald auf eigenen Füssen stehen können. Sie dürfen nicht in einer Armutsspirale stecken bleiben, nur weil ihre Eltern weniger Möglichkeiten haben.
  • Es gibt Menschen aus dem Ausland, die zu Hause keine Zukunft mehr haben und bei uns eine Bleibe gefunden haben. Sie sollen einen Platz in unserer Gesellschaft finden und für sich selber sorgen können.

Das sind alles nicht ganz einfache Fragen. Es liegt in der Natur der Sache, dass man schnell einmal nur von Problemen spricht. Oft werden die negativen Aspekte viel stärker gewichtet als sie es verdienen. Das ist gefundenes Fressen für Kreise, die gerne Unruhe stiften und die die Angst der Leute für ihre eigenen politischen Zwecke missbrauchen. Es ist wichtig, dass man Probleme beim Namen nennt, sonst kann man sie nicht lösen. Panikmache und Übertreibungen sind jedoch immer schlechte Ratgeber.

Wir sind in der Schweiz zu Recht stolz auf unsere gute Organisation und Sachkompetenz. Natürlich gibt es Herausforderungen und Konflikte, wenn viele unterschiedliche Menschen zusammen leben. Bei uns läuft es aber nicht so schnell aus dem Ruder – darauf dürfen wir uns verlassen und dieser Tatsache verdanken wir unsere hohe Lebensqualität. Darum sind die meisten von uns auch gerne hier zu Hause.

Weil es in Liestal viele Schulen gibt, sind auf unseren Strassen meist viele junge Leute unterwegs. An den Wochenenden ist unser Bahnhof eine der Hauptdrehscheiben des jugendlichen Nachtlebens der Region. Hier ist zeitweise ganz schön viel los. In Liestal lebt ein sehr buntes Völklein zusammen und das bemerkenswert friedlich - darauf sind wir stolz.

Mir steht als Stadträtin eine Jugendkommission zur Seite, die uns dabei unterstützt, Themen aufzunehmen, die wichtig sind für junge Menschen. Ich liebe die lebendigen Sitzungen dieser Kommission und lerne dort enorm viel. Ich finde den Dialog über die Generationen hinweg sehr wichtig. Nur auf diese Weise kann der Zusammenhalt innerhalb unserer Gesellschaft gepflegt werden. Ich sage sehr bewusst „pflegen“ - denn so etwas gibt es nicht einfach umsonst. Ein gutes soziales Klima kann nur dann entstehen, wenn sich alle darum bemühen.

„Think global - act local“ ist das perfekte Motto für ein Amt wie meines: Wir müssen offen sein, verstehen was in der Welt abgeht - aber auch begreifen, dass wir nicht der Nabel der Welt sind. Wir müssen vor Ort handeln und unsere Möglichkeiten nutzen. Unsere lokalen Lösungen sehen manchmal ganz klein aus im Vergleich zu den grossen globalen Problemen. Die Summe dieser kleinen Aktivitäten macht aber schlussendlich das Ganze aus.

Ich wünsche Ihnen einen spannenden Tag - viele tolle Diskussionen und viel Inspiration für die Zukunft. Lassen Sie sich nicht entmutigen!

Liestal, 4. April 2017,
Regula Nebiker,
Stadträtin Liestal,
Vorsteherin Departement Sicherheit und Soziales

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