Grussadresse anlässlich des Jubilarentreffs, 10. September 2016, Kirchgemeindehaus Martinshof, Liestal

Liebe Jubilarinnen und Jubilaren,

Die Stadt Liestal, zusammen mit einem ganzen Kreis von freiwilligen Unterstützerinnen und Unterstützern, möchte Sie, liebe Jubilarinnen und Jubilare, ganz herzlich zu einem Fest begrüssen.

„Man muss die Feste feiern, wie sie fallen“ haben wir in unserer Einladung geschrieben. Sie alle haben ein persönliches Jubiläum zu feiern. Ein Jubiläum ist ein Gedenktag - ein Tag, an dem daran erinnert werden soll, dass eine Etappe erreicht und eine Leistung erbracht worden ist. Und das haben Sie alle in ihrem langen Leben getan - jeder und jede von Ihnen auf seine ganz eigene Weise.

Jedes Jubiläum hat seine eigene Geschichte, die an einem ganz bestimmten Datum ihren Anfang genommen hat. Eines haben sie aber gemeinsam: Von den Jubiläen, die wir hier heute feiern, haben viele ihren Anfangs- und Höhepunkt in den 50er Jahren. Das ist die Zeit, in der viele von Ihnen ins Erwachsenenleben getreten sind und Familien gegründet haben.

Auch meine Generation gehört zu Ihrem Jubiläum. Aus den vielen Familien, die damals gegründet worden, sind wir - die heute 60-Jährigen - hervorgegangen. Heute nennt man uns auch die Babyboomer - weil wir so viele sind. Dass wir so viele sind, hat damit zu tun, dass Sie mit Ihren Familien eine gute Zeit erlebt haben. Sie haben erlebt, wie es nach der schwierigen Kriegszeit aufwärts gegangen ist. Sie waren am Fortschritt beteiligt und Sie haben auch erlebt, wie stark sich die Welt seit dieser Zeit verändert hat.

Sie haben die ersten Fernseher erlebt. Autos waren erst etwas nur für reiche Leute. Ihre Generation hat erlebt, wie sich bald jede Familie eines leisten konnte. Immer mehr Familien konnten sich auch ein Einfamilienhaus kaufen. Das alles hat die Landschaft so verändert wie noch nie zuvor. Es wurden Strassen und Autobahnen gebaut und um die Dörfer und Städte herum entstanden grosse neue Wohngebiete. Das kann man sehr gut auf alten Fotografien sehen.

Meine Mutter erzählt mir zum Beispiel immer wieder, wie schön die Kirschbäume geblüht haben am Schleifenberg, als meine Eltern nach meiner Geburt, 1957, vom Spital nach Hause fuhren. Heute ist dieser Hang voll gebaut - da hat kein einziger Kirschbaum mehr Platz.

Sie haben auch die Veränderung in der Arbeit erlebt. Früher hatten wir in Liestal grosse Fabriken wie die Hanro, den Schild oder Konrad Peter. Da haben wahrscheinlich einige von Ihnen gearbeitet. Diese Betriebe gibt es heute nicht mehr. Aber es gibt andere, neue Arbeitsplätze. Heute hat Liestal mehr Arbeitsplätze als je, nämlich rund 17.000. Die Stadt Liestal wächst und ist schon wieder daran, ihr Gesicht grundlegend zu verändern. Auch meine Generation wird einmal von grossen Veränderungen erzählen.

Jede und jeder von Ihnen kann etwas zu diesen Veränderungen erzählen. Diese Erinnerungen kann man - wenn ich Sie jetzt ansehe - fast mit Händen greifen in diesem Raum.

Ich werde nach diesem Anlass noch zu einem anderen Anlass gehen - einen Anlass mit jungen Leuten. Und zwar sind es Graffiti-Künstler, die ganz legal eine Betonwand mit Graffiti besprayen. Vielleicht haben Sie davon in der Zeitung gelesen. Graffiti sind nicht jedermanns Sache - es ist auch Geschmackssache. Sie sind aber auch Ausdruck einer Zeit und einer Generation. Darum unterstützt der Stadtrat diese Aktion.

Ich lade Sie ein: spazieren Sie einmal der Ergolz entlang beim Kessel unter der Umfahrungsstrasse und betrachten Sie, was diese jungen Menschen von heute bewegt, wie sie dies ausdrücken und wie sich die Betonwand allmählich in eine farbige Galerie von Bildern verwandelt.

Wir werden alle nicht erleben, was diese Generation in rund 50 Jahren an ihrem Jubilarenanlass zu erzählen hat. Auch sie werden von Veränderungen zu berichten haben. Ich hoffe, sie werden dann auch versöhnliche Worte finden und zufrieden auf ihr Leben zurückblicken können.

Der Jubiläumstreff soll ein Fest zu Ehren von Ihnen allen sein und ein Zeichen der Anerkennung und des Dankes für alles, was Sie in Ihrem Leben getan, erreicht und - vielleicht aber auch - erlitten haben. Geniessen Sie den Nachmittag und feiern Sie das Fest - Sie alle haben es verdient!

Liestal, 10.09.2016,

Im Namen des Stadtrats,
Regula Nebiker
Vorsteherin Departement Sicherheit und Soziales

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