Begrüssung 91. Generalversammlung des Brunnenmeisterverbands BL und Umgebung, 20. Mai 2016

Logo auf Einladung GV, 2016

Landratssaal, Regierungsgebäude, Liestal

Liebe Brunnenmeister,

Gerne habe ich mich bereit erklärt, ein kurzes Grusswort an Sie zu richten.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Ich habe in den fast 4 Jahren als politische Vorsteherin der Wasserversorgung Liestal einen äusserst spannenden Einblick in dieses Fachgebiet erhalten und habe sehr viel Respekt vor der grossartigen und engagierten Leistung, die hier täglich erbracht wird – und nicht zuletzt auch darum, weil ich sehr viel halte von der guten Arbeit, die unser hiesiger Brunnenmeister, Urs Buess – Ihr Präsident - leistet.
  • Ich finde grundsätzlich, dass der Rohstoff Wasser völlig unterschätzt und auch zu wenig wert geschätzt wird. Es ist doch eigentlich schlicht grossartig, dass wir noch immer sauberes Wasser mehr oder weniger direkt aus dem Boden pumpen können und damit eine sehr dicht besiedelte Region problemlos versorgen können. Das ist eine sehr gute Nachricht unter all den vielen schlechten Nachrichten, die es täglich zu verdauen gibt.
  • Wir gehen mit unserem Wasser oft sehr gedankenlos um und profitieren dabei von einer Situation die – weltweit gesehen - alles andere als selbstverständlich ist. Ich frage mich manchmal, wie das aussieht für die Menschen, die aus wasserarmen Gegenden der Welt zu uns kommen. Viele von ihnen haben oft schmerzlich erleben müssen, wie lebenswichtig und kostbar Wasser eigentlich ist. Was die wohl dazu denken?
  • Abgesehen vom Glück, dass wir in sehr günstigen Breitengraden und auch in günstigen tektonischen Bedingungen leben, ist dieser Zustand aber auch der konsequenten und nachhaltigen Arbeit von Wasserfachleuten, wie Sie es sind, zu verdanken. Und, wenn man sich ein bisschen mit der Geschichte von Wasserversorgungen befasst, war es ein langer und beschwerlicher Weg bis dahin.

Ich habe ein bisschen im Staatsarchiv gegraben – da findet sich einiges:

  • Militärgeologen haben z.B. im Ersten Weltkrieg alle Wasserversorgungen des Kantons untersucht und dabei einige hygienische Mängel entdeckt. Das war die Grundlage für eine laufende Verbesserung der Zustände, welche dauerte bis nach dem Zweiten Weltkrieg – und das war ein schwieriger Weg. Denn den Fachleuten war zwar relativ schnell klar, was zu tun war. Das alles kostete jedoch auch sehr viel Geld und die Gemeinden waren halt lange nicht bereit, den Preis für eine gute Wasserversorgung zu zahlen. Das ist heute oft nicht anders. In meiner Zeit als Wasserchefin war es meine Aufgabe, immer auch die finanzielle Seite zu betonen. Und so führen wir natürlich noch immer die gleichen, oben geschilderten Diskussionen.
  • Es lag nahe, dass sich die Wasserfachleute in einem Verband zusammenschlossen – nicht nur um sich gegenseitig das Leid zu klagen, sondern um die gemeinsame Sache zu fördern und sich selber ständig weiter zu entwickeln. Der Brunnenmeisterverband BL, der 1925 gegründet worden ist, ist einer der ältesten der Schweiz. Der Schweizerische Verband entstand erst 1949. Im Verlauf der letzten 100 Jahre wurden in unserem Kanton Generationenprojekte in der Wasserversorgung geschaffen.

Jede Generation steht aber wieder neu in der Verantwortung, muss Projekte anpacken und nicht auf die lange Bank schieben. Das grösste Verbesserungspotential heute liegt meines Erachtens in der regionalen Wasserplanung. Da hat der Kanton gute Grundlagen geliefert. An den einzelnen Wasserversorgungen liegt es nun, ernsthaft über die Gemeindegrenzen hinaus zusammen zu arbeiten. Auch hier legt der Verband gute Grundlagen: Sie kennen einander schon!

Ich habe in meinen 4 Jahren als Wasserchefin sehr viel Engagement und ein hohes Berufsethos und auch einen ganz besonderen „Berufsstolz“ angetroffen. Das hat mich beeindruckt. Bei allen Diskussionen, die wir hatten, habe ich es immer auch sehr geschätzt, zu wissen, dass unser Wasser in Sachen Qualität jederzeit in sehr guten Händen ist. Ich weiss auch, dass ein wichtiger Nährboden für dieses Vertrauen dieser Verband ist sowie der Zusammenhalt der Wasserfachleute untereinander. Dafür möchte ich Ihnen allen im Namen der Stadt und Bevölkerung ganz herzlich danken.

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen und geselligen Anlass und dem Verband weiterhin alles Gute und viel Erfolg!

Liestal, 20.05.2016,
Regula Nebiker,
Stadträtin Liestal

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