Zeitreise

Eröffnungsfeier der Sonderausstellung "Archäologie in Kinderschuhen", 17.08.2018, Rathaus Liestal

Mit viel Vergnügen und Anteilnahme habe ich in den letzten Tagen in der Zeitung die Berichte von ehemaligen Schülerinnen und Schülern gelesen, die in Munzach gegraben haben. Fasziniert hat mich dabei viel weniger die römischen Villa selber - dazu gibt es kontroverse Fachdiskussionen. Diese Art Grabungen sind ja später in der Fachwelt alles andere als unumstritten gewesen.

Fasziniert hat mich die Aktion "Graben mit Schülern" als solche und ihre grosse Wirkung: Das hat eine ganze Generation in den Bann gezogen. Die Ausstrahlung und das allgemeine lnteresse waren riesig. Darüber wurde gesprochen. Die Leute kamen in Scharen nach Liestal, um die Sache vor Ort anzuschauen. Man stelle sich vor: Hunderte Besucher an einem Sonntag, sogar mit Bussen sollen sie angereist sein. Was für eine Attraktion!

Spannend ist aber vor allem, was dieses Erlebnis bei den beteiligten Kindern ausgelöst hat: Sie reden heute noch davon, als ob es gestern gewesen wäre. Viele von ihnen sind so stark geprägt worden, dass sie später selber Archäologen geworden sind. Das Paradebeispiel ist Jürg Ewald - er hat dann eben später die professionelle Archäologie aufgebaut. So wie wir sie heute kennen - und wie sie damals noch vollkommen fehlte.

Es gibt eine ganze Reihe von Berufskarrieren, die irgendwie zu diesen Grabungen mit Theo Strübin zurückführen. lch habe gemerkt, dass auch ich so eine Verbindung habe. lch bin nämlich in Diegten zu Peter Stöcklin in die Primarschule gegangen. Peter Stöcklin ist in Liestal aufgewachsen - und wurde selbstverständlich auch von Theo Strubin inspiriert. Er war ein begnadeter Heimatforscher - seine Begeisterung hat sich auch auf uns übertragen. Mein Geschichtsstudium und später mein Beruf als Staatsarchivarin haben sicher damit zu tun. Auch der heutige Kantonsarchäologe Reto Marti ist bei Peter Stöcklin zur Schule gegangen.

lch beneide alle, die selber bei diesen Grabungen dabei sein konnten. Das war doch Geschichtsunterricht vom Feinsten! Keine trockenen Abhandlungen über die Römer - sondern konkreter Anschauungsunterricht. Man stelle sich vor: Da hat man Dinge in der Hand von Menschen, die vor beinahe 2000 Jahren genau hier gewohnt haben, wo wir nun auch leben. Sie haben gegessen, gebadet, gespielt und gearbeitet. Eine direktere Begegnung mit der Vergangenheit geht nicht mehr. Das ist fast eine Zeitreise. lch glaube, dass sogar ich nach solchen Ferien mit Begeisterung Latein gebüffelt hätte.

Theo Strübin hat aber noch etwas darauf gesetzt: Er hat fotografiert! Seine Bilder sind Zeitdokumente erster Güte. Auch sie ermöglichen einen Zeitreise. Da muss man einfach nur hinschauen und schon ist man in eine andere Zeit versetzt.

Diese ganz besonderen Schulferien einer ganzen Schülergeneration damals in den 50er Jahren sind Teil der kollektiven Erinnerung unserer Stadt geworden. Von dieser Aktion hat man den Kindern und den Grosskindern erzählt. Es ist gut, dass mit dieser Ausstellung wieder einmal daran erinnert wird.

Ich danke dem Dichter- und Stadtmuseum, der Munzachgesellschaft und dem Atelier Degen & Meili. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen – lassen Sie sich auf die Zeitreise ein. Es lohnt sich.

Liestal, 17. August 2018,
Regula Nebiker

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